Kolumnen

Helmuts Kolumnen

Wahrheit und Dichtung

Wahrheit oder Dichtung liegen ja oft nur in der Betrachtung und Sichtweise oder nur am Blickwinkel, aus dem man die Sache betrachtet.
 
Nehmen wir das Spinnenweibchen, das nach erfolgreicher Fortpflanzung den männlichen Partner zu verspeisen sucht. Das Weibchen wird sich als von der Natur gegebene gute Mutter darstellen, da sie mit diesem kannibalistischen Akt einen Proteinschub erlangt, der zum durchbringen des Nachwuchses förderlich oder gar notwendig ist. Das Männchen freilich wird es in seiner Betrachtungsweise beim kannibalistischen Akt belassen und die Sichtweise des Weibchens in das Reich der Dichtung verweisen.
Sicher eine eigenwillige Betrachtungsweise natürlicher Vorgänge, denn wer will den Spinnentieren eigene Gedanken zugestehen...... Dennoch mag dieses Beispiel die unterschiedlichen Sichtweisen auf Wahrheit und Dichtung gut verdeutlichen.
 
Mir wird gelegentlich ein Mangel an diplomatischem Geschick unterstellt. Ich verweise diese Theorie in das Reich der Fabel (eine Dichtung), gestehe aber andere Sichtweisen zu. In der Tat spreche ich, wenn ich das für notwendig erachte, auch unangenehme Wahrheiten mit (aus meiner Sicht) gebotenem Nachdruck aus. Ohne Zweifel ist diese Art mit Dingen umzugehen nicht jedermanns Sache. Für denjenigen wird dieser Satz (der mit dem Mangel an diplomatischem Geschick) irgendwie aus diesem Blickwinkel richtig (also Wahrheit).
Ich halte es aber eher mit Offenheit und Ehrlichkeit, so unangenehm das auch manchmal sein mag. Ein offenes Wort, eine klare Ansage helfen sicher Missverständnisse zu vermeiden oder aufzuklären. Daher ist aus meinem Blickwinkel diese Aussage (immer noch die mit dem Mangel an diplomatischem Geschick) eine Dichtung.
 
Wie es sich nun mit einigen Aussagen im Bericht auf der BFV-Seite über den Tag des Mädchenfußballs verhält will ich in diesem Kontext nicht aufarbeiten. Aber zumindest eine Portion Ausschmückung der Wahrheit hin zur Dichtung wird der geneigte und wissende Leser leicht erkennen. Allemal kann man die oben zitierten unterschiedlichen Blickwinkel attestieren. Betrachtet man die dahinter stehenden gut gemeinten Absichten, kann man (ich allemal) die leichte Verschiebung in Richtung Dichtung generös tolerieren.
 
Wie viel anders stellt sich die Situation aber im Folgenden dar:
In der Amtlichen Nr. 47 auf Seite 2
http://berliner-fussball.de/fileadmin/Dateiablage/public/Amtliche_Mitteilung/am1112-47.pdf  steht der Moabiter FSV am Pranger weder Mannschaftsmeldungen noch die Bestätigung vom Sportamt abgegeben zu haben.
Wahrheit ist, dass ich selber am 18.06. eben diese Meldungen online vornehmen wollte, das entsprechende Modul aber am 17.06. geschlossen wurde. Ich war mit meinem Unterfangen einen Tag (eigentlich nur einige Stunden) zu spät. Also das Nachmeldeformular gedownloadet (was für eine Wortschöpfung....), ausgefüllt und abgeschickt (via BFV-Mail, also belegbar). Ab dem 18. lagen dem Verband die Mannschaftsmeldungen der Jugend vor. Zudem wurde der Staffelleiter von mir persönlich telefonisch informiert.
Etwas schwieriger gestaltete sich die Nachmeldung der Damen, gab das vorgesehene Formular diese Option einfach nicht her. Da ja bekanntlich nicht sein kann was nicht sein darf, sollte ich dieses Formular dennoch verwenden, was ja nicht ging........
Erst nach neuerlicher Darlegung der vorhandenen Probleme wurde das dann endlich als Wahrheit akzeptiert und entsprechend modifiziert. Somit konnte ich dann am 19. auch die Damenmannschaft melden, was ich zudem der Staffelansetzerin im persönlichen Gespräch mitteilte.
Am 27.06. erhielt ich die Mitteilung vom Sportamt, das die Spielzeiten beim BFV bestätigt wurden.
In der Amtlichen Nr. 47 vom 29.06. auf Seite 2  steht nun........   das ist definitiv Dichtung (wer will nach dieser Formulierung noch an meinen diplomatischen Fähigkeiten zweifeln....). Will ich bei der Bestätigung durch das Sportamt angesichts der knappen Zeit bis zur Veröffentlichung der Amtlichen Mitteilungen noch wohlwollend zeitliche Überschneidungen geltend machen, fehlt mir für die Behauptung der nicht gemeldeten Mannschaften jegliches Verständnis. Handelt es sich um ein Versehen? Oder stecken andere Hintergründe, wie z.B. disziplinierendes Kalkül dahinter? Ich will nicht weiter spekulieren und breche meine (öffentlichen) Gedankengänge an dieser Stelle ab.
 
Ich möchte mich allerdings unter dem Aspekt von Wahrheit und Dichtung noch mit der Frage beschäftigen wer denn für wen da ist, der Berliner Fußballverband für die Vereine oder die Vereine für den BFV?
Nach immer wiederholter Aussage der Verantwortlichen soll die erste Variante die Richtige sein. Wer diese Kolumne aufmerksam gelesen hat, wird eher die Zweite als Wahrheit erkennen. Womit wir wieder bei unterschiedlichen Sichtweisen wären.....
 
In der Tat wäre eine vertrauensvollere und kooperativere Zusammenarbeit sicher wünschenswert, funktioniert diese in der anderen Richtung doch deutlich besser. Egal ob kurzfristigst Ballmädchen für Veranstaltungen oder Spielerinnen für den Besuch des amerikanischen Botschafters gebraucht werden, wir als Verein reagieren immer schnellst- und bestmöglich und werden auch unter schwierigsten Voraussetzungen den gestellten Ansprüchen gerecht. Auch der Sommercup/ Tag des Mädchenfußballs geben beredtes Zeugnis für diese Aussage.
 
Nun wäre es an der Zeit, nach „Wahrheit und Dichtung“ auch mal über „Ursache und Wirkung“ zu philosophieren. Aber das ist ein guter Ansatz für die nächste Kolumne. Zumindest aus meiner Sichtweise heraus.......
 
 
Helmut Hoffmann