Spielberichte der 1.Damen

Lola rennt, Franzi kickt...

Lange hat es gedauert, aber jetzt wird die Reihe „Wer kickt eigentlich beim Moabiter FSV?“ fortgesetzt. In der ersten Ausgabe hatte die Moabiene Eigengewächs Jana Heyde vorgestellt. Heute ist eine der vielen Wahlberlinerinnen des Vereins dran: Franziska Groß.

 

Vor zwei Jahren zum Moabiter gekommen, hat sich "Franzi" auf und neben dem Platz schnell zum Kopf der Mannschaft gemausert. Ihre Pässe in die Spitze sind bei den Sturmkolleginnen beliebt und bei der Konkurrenz gefürchtet. Und in dieser Saison besinnt sie sich auch noch auf ihre eigentliche Stärke: Das Tore schießen. Die 28-jährige Spielgestalterin ist ehrgeizig, für die Landesliga auffallend spielintelligent, liebt den körperbetonten Fußball und ist gleichermaßen streitbar für Gegnerinnen, Team-Kolleginnen sowie - sehr zur beschleunigten Alterung des Trainers – für Schiedsrichter. Kurzum: Sie ist eine Spielerin, die man lieber in seinem Team sieht als in dem des Gegners. Und jetzt hilft euch die Moabiene, sie näher kennenzulernen:

Moabiene: Moin Franzi. Gut geschlafen? 
Franzi Groß: „Ja sehr gut.“

Was brauchst Du nach dem Aufstehen, um gut in den Tag zu kommen? Kaffee, schwarz wie Deine Seele? „Zum Aufwachen brauchen ich ne schöne Dusche mit lauter Musik, Kaffee und ne schnelle Schrippe auf die Faust.“

Und denne? Ab ins Auto und kreuz und quer durch Deutschland? Bist ja wirklich viel unterwegs. Was machst Du denn eigentlich beruflich? 
„Genau dann geht es an’s Laptop und an das Arbeitshandy und dann wird geschaut was akut erledigt werden muss bevor ich mich in meinen Flitzer setze. Ich bin Key-Accounterin und akquiriere Neukunden für meine Firma. Ich bin quasi der Goldesel fürs Unternehmen."
 
Na ist sicher stressig, trotzdem bist Du fast in jedem Training. Ist das Dein Ausgleich? Was machst Du sonst, wenn Du das Leben genießen willst? 
„Definitiv ist das Training ein Ausgleich zum ständigen Stress. Ansonsten gehe  ich gerne mit Freunden ein Bier trinken, gehe zur Hertha und fahre saugerne in den Urlaub."

Kurzes Zwischenspiel, weil ich’s gerade sehe: Du hast ja mächtig viel Tinte auf der Haut. Ist die Tattoo-Reise abgeschlossen oder hast Du noch ein Plätzchen reserviert? Wenn ja, was kommt dahin? Das Wappen vom Moabiter FSV? 
„Der Arm wird noch zugemacht und dann sehen wir mal, wie viel Platz noch so übrig ist. Aber ich denke, die Reise ist noch lang ;). Das Moabiter Wappen? Scherzkeks! Höchstens beim Aufstieg in die Bundesliga :)."

Okay, muss ja nicht gleich verewigt sein. Aber verrate uns doch mal, warum Du und Jana Allershausen ausgerechnet beim Moabiter FSV hängengeblieben seid, als ihr vor zwei Jahren aus dem Harz nach Berlin kamt? Ihr ward doch sogar bei Union vorstellig, wie ich mir habe stecken lassen. 
„Zu Moabit kamen wir über Facebook. Wir haben einfach geschaut was bei uns in der Nähe ist. Wir fanden den Verein dann gleich gut, weil es ein reiner Mädchen- und Frauenfußballverein. Bei vielen Vereinen liegt der Fokus auf den Herren. Die bekommen dann alles und die Frauen spielen nur die zweite Geige.“

In der vergangenen Saison habt ihr erst in der Rückrunde in die Spur gefunden. In der aktuellen Spielzeit bahnte sich ein ähnlich verkorkster Start an. Dann drehte sich die Geschichte und ihr habt eine Serie von sieben Siegen in Folge  gefeiert. Wie ist dieser plötzliche Höhenflug zu erklären? 
„Ich denke zum Anfang der letzten Saison waren wir fast alle neu, überhaupt nicht eingespielt und manche kannten nicht mal die Namen ihrer Mitspieler. Aber nach dem wir uns persönlich und auch unsere Pass- und Laufwege kennengelernt haben und sich so etwas wie eine Stammelf herauskristallisiert hat, läuft’s würde ich sagen.“

Du hast mittlerweile 9 Kisten auf dem Konto. Was hast Du dir noch vorgenommen, was möchtest Du in dieser Saison und überhaupt noch mit dem Moabiter FSV erreichen? 
„Mein persönliches Ziel ist es, verletzungsfrei zu bleiben. Für uns als Team würde ich Tabellenplatz fünf im Auge behalten. Alles was am Ende darüber ist, wäre die Kirsche auf der Sahne.“

Das hört sich doch vernünftig an. Was anderes: Dreh’ sofort Deine Hosentaschen um! Ich will wissen, was Du dabei hast. 
„Da wirst du keine große Überraschung erleben. Warte… Siehste! Handy, Kaugummi und natürlich der Autoschlüssel. Spektakulär, was?“ 

Nehmen wir mal an, Du cruist gerade wieder auf der Autobahn. Welcher Song muss im Moment aus den Bose-Boxen dröhnen, damit Du abgehst wie Schmidts Katze?
„ Ein Mix aus 94,3 bis JAM FM, also quer Beet. Hauptsache laut :).“
 
Welche Fußballerin oder welcher Fußballer beeindruckt Dich nicht nur ein bisschen, sondern gewaltig? 
„Hmmm… Bin da gar nicht so. Aber Christiano Ronaldo ist schon stark. Ich mag seine Persönlichkeit und dass er konstant über Jahre hinweg erfolgreich und richtig guten Fußball spielt.“

Mal so abseits vom Fußballplatz: Was nervt Dich? 
„Notorische Linksfahrer oder schön mit 40 über die Autobahn. Da könnte ich ausrasten. Ansonsten regen mich intolerante und sich selbst überschätzende Menschen auf. Am Ende des Tages gehen doch alle eh nur kacken.“

Okay, okay. Komm wieder runter. Was fällt Dir spontan zum Thema Frauenfußball in Berlin ein?
„Ich finde, dass der Frauenfußball in Berlin leider keinen angemessenen Stellenwert hat. Das kann man definitiv noch ausbauen. Ab der Berlin-Liga abwärts liest man kaum noch was von den Mannschaften, egal ob in den Printmedien oder im Internet. Schade.“

In der Fußball freien Zeit stirbst Du vor Langeweile stimmt’s?
„Ach Quatsch. Ich genieße es, auch mal dienstags und donnerstags auf der Couch zu liegen oder fleißig noch vor dem Laptop zu sitzen. Nur Fußball, das wäre doch auch schlimm, oder?“

Am kommenden Wochenende steht das erste Punktspiel der Rückrunde auf dem Plan. Der FSV Hansa gastiert. Dein Tipp?
„Schwierig. Wir haben mit ein paar Ausfällen zu kämpfen. Jedenfalls wird das eine ganz enge Kiste. 1:1 oder so etwas.“

Franzi, Du olle Hippe! Vielen Dank für das kurzweilige Gespräch. Ich hoffe, dass Du Deine Kickschuh noch lange für den Moabiter schnürst. 
„Jaja, passt schon Moabienchen. Und jetzt schwirr’ ab!“

Ist ja gut… Sssssssssss!

 

Interview: Moabiene