Spielberichte der 1.Damen

Preiset Dori(e): Sensation perfekt!

Die Sensation ist perfekt! Die Fußballerinnen des Moabiter FSV haben am Samstag den DFC Kreuzberg mit 4:2 besiegt und gehen in der kommenden Spielzeit ein Stockwerk höher ans Werk. Dori Mersch, seit Wochen in bestechender Form, erlöste das Team aus Mitte mit zwei Treffern in der Nachspielzeit.

 

Kreuzberg/Moabit - Dorie heißt der kleine blau-gelbe Doktor-Palettenfisch aus der Disney-Animationswerkstatt. Die Moabiter Dori bewegt sich lieber in weinrot-grün auf ihrem Terrain. Im weiteren Vergleich mit dem schwimmenden Kino-Star fehlt ihr zwar ein "e" im Namen, dafür leidet sie nicht unter Amnesie. Und das tat den Nerven von FSV-Coach Matthias Vogel richtig, richtig gut. Dori Mersch erinnerte sich nämlich zum besten Zeitpunkt an ihre Torgefährlichkeit und ließ just nachdem der gute Schiedsrichter drei Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte, zweimal das Netz zappeln. Das erste Mal, als sich Jana Allershausen nach feinem Pass von Sabrina Kaluza ein letztes Mal und unter Mobilisierung der letzten Kräfte auf der rechten Außenbahn auf die Reise machte, ihre Gegenspielerin abschüttelte und uneigennützig quer legte. Der Rest war für die 19-jährige Mersch nur Formsache, der Ball schlug unterm Dach des Kreuzberger Gehäuses ein und im Lager der Moabiter entlud sich aller Frust und alle Anspannung in großem Jubel - auf und neben dem Platz. Das zweite Mal wölbten sich die Maschen nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Moabit machte alles richtig und presste gleich nach dem Anstoß in der DFC-Hälfte. Kaluza eroberte prompt an der linken Strafraumkante den Ball und war dann nur noch durch ein Foul zu stoppen. Mersch legte sich den Ball zurecht und wuchtete ihn in die obere kurze Ecke. Kurz darauf war das Herzschlagfinale vorbei - Sektkorken knallten, singen, tanzen, tralala!

Dass es überhaupt so spannend wurde, hatte zwei wesentliche Gründe. Zum einen präsentierte sich Absteiger Kreuzberg personell und mental von seiner besten Seite, zum anderen agierte Moabit sehr nervös. "Da hatten heute schon einige Pudding in den Beinen", sagte Vogel. Eigentlich hatte Franzi Groß mit ihrem Blitztor aus der ersten Minute die Weichen durchaus auf "Sicherheit gewinnen" gestellt. Doch nur zwei Minuten später klingelte es nach einem Freistoß auf der anderen Seite. Gänzlich dahin war das gepflegte Gastspiel, als Kreuzberg sogar die Führung gelang. "Danach war der DFC immer einen Schritt schneller, und in den Zweikämpfen entschlossener. Die wollten gewinnen, das war bei uns nicht mehr zu erkennen", so Vogel.

Letzteres änderte sich mit der Spielrichtung. Spielerisch immer noch nicht auf gewohntem Niveau, war der FSV jetzt wenigstens präsenter. Sabi Kaluza, bis dahin kaum zur Geltung gekommen, stellte schnell mit ihrem 26. Saisontreffer auf 2:2 (47.). In der Folge sahen die Zuschauer ein packendes Spiel mit Torchancen auf beiden Seiten. FSV-Torhüterin Carlien Abbes musste etwa einen gefährlichen Flachschuss von Chelsea Wright parieren, auf der Gegenseite rettete die Latte, als sich Mersch schon einmal für die Nachspielzeit warmschoss. Kurz darauf hatte Regina Kirchmaier den Siegtreffer auf dem Fuß, Allershausen hatte sie im Zentrum blank gespielt: "Ich hatte keine Kraft mehr", begründete die fleißige Kapitänin ihren Fehlschuss.  

Der Rest ist bekannt: Dank Doris Erinnerungsvermögen und ihrem Last-Minute-Doppelpack steigt der Moabiter FSV in die Berlin-Liga auf. Ein Erfolg, den nach der Hinrunde und vor allem nach der gruseligen Vorsaison, wohl niemand für möglich gehalten hätte. "Kaum zu glauben", sagte der sektgeduschte Coach nach dem Abpfiff. "Aber ich bin unglaublich stolz auf die Mädels. Auf jedes einzelne, das über die Saison mitgeholfen hat - egal ob heute auf dem Feld, auf der Bank, dieses Mal nicht im Kader, auf Krücken an der Bande oder gerade im Krankenhaus: Das ist eine ganz tolle Truppe."

Moabiter FSV: Abbes, Kovtun, Ziese (70. Kreuder), Herzog, Haacke, Kreuder (46. Schönrock), Mersch, Kirchmaier, Groß, Allershausen, Kaluza. Einsatzbereit: El Rahal, Fischel. Tore: 0:1 Groß (1.), 1:1 Fröhlich (3.), 2:1 Hartmann, 2:2 Kaluza (47.), 3:2, 4:2 Mersch (90.+).