Und ständig stockt der Atem…

Den Fußballerinnen des Moabiter FSV ist am Sonntag eine kleine Sensation gelungen. Die Elf von Trainer Adem Dogan trotzte der extrem torhungrigen Spitzenmannschaft von Borussia Pankow ein 2:2-Unentschieden ab und feierte den Punktgewinn der extrem spannenden Landesliga-Partie zu Recht wie einen Sieg.


Berlin/Moabit – Eindeutiger hätten die Vorzeichen der Begegnung nicht stehen können. Hier der vom Abstieg bedrohte Moabiter FSV, der in der Woche zuvor eine peinliche 2:4-Schlappe beim Tabellenletzten FFC Berlin hatte hinnehmen müssen, dort die Borussia, die in der laufenden Saison bis dato über 100 Treffer erzielt und zuletzt die Lichtenberger Mädels mit sage und schreibe 20:0 Toren von deren eigenen Platz gefegt hatte.


Kompakt wollte der FSV deshalb stehen, möglichst wenig zulassen. Doch bevor sich überhaupt erkennen ließ, ob das gelingen sollte, schockte Sarah Wienhold den Tabellenführer. Regina Kirchmaier hatte die Moabiter Top-Scorerin über rechts steil auf die Reise geschickt, und die traf aus spitzem Winkel und zur allgemeinen Überraschung zur Führung – gerade einmal fünf Minuten waren gespielt. In der Folge rannte Pankow wie erwartet an, doch Moabit stand tatsächlich so stabil wie geplant, präsentierte sich giftig in den Zweikämpfen und laufbereit. Das schmeckte der Borussia merklich nicht und so hielten sich die Tormöglichkeiten des Favoriten in Grenzen. Zu pass kam dem FSV dabei die Rückkehr von Liisa Andersson, die in den vergangenen vier Wochen aus beruflichen Gründen fehlte, und der Defensive zusätzlichen Halt gab.

 


Kurz nach dem Seitenwechsel hatte Wienhold doch tatsächlich sogar das 2:0 auf dem Fuß, Borussia-Torhüterin Simone Kelemen parierte allerdings blendend (48.). Dann erhöhte Pankow die Schlagzahl und in der 55. Minute staubte Nancy Ulrich nach Ecke und missglücktem Abwehrversuch per Kopf zum 1:1 ab. Nur zwei Minuten später profitierte Caroline Klausch von der plötzlichen Unordnung in der FSV-Hintermannschaft und schob den Ball in die Maschen. 1:2, das Spiel war innerhalb von nur 120 Sekunden gekippt. Doch statt einzuknicken, stemmten sich die FSV-Mädels gegen die drohende Niederlage. Mitte der zweiten Hälfte gelang Regina Kirchmaier der ganz große Coup. Kelemen eilte nach einem FSV-Angriff über die linke Seite zur Unterstützung aus ihrem Kasten. Der zu kurz geratene Klärungsversuch landete bei Kirchmaier, die sofort abzog und aus gut und gerne 25 Metern das verwaiste Tor traf (68.).


Glück und Geschick rettete dem FSV in der Schlussphase das 2:2. Borussia-Torjägerin Josefine Russ knallte einen Freistoß an die Latte, ein wenig später tauchte sie mutterseelenallein vor der starken Moabiter Torhüterin „Jay Jay“ Köbke auf, die ihren Versuch bravourös parierte. Nach dem Schlusspfiff bildete sich eine Traube jubelnder Moabiter Kickerinnen und Gästetrainer Sebastian Soika zog ein faires Resümee: „Uns liegen die kleineren Plätze nicht, aber Moabit hat das auch richtig gut verteidigt heute. Wir hatten genügend Chancen, um die Partie zu unseren Gunsten zu entscheiden, wir haben selber schuld.“ Moabits Co-Trainer Matthias Vogel war vom Auftritt des FSV begeistert: „Wir haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Und alle haben gekämpft bis zum Umfallen. So muss das sein.“


Matthias Vogel

Moabiter FSV: Köbke, Kovtun, Ziese, Andersson, Rölle, Ottinger, Fischel, Heyde, Bader, Kirchmaier, Wienhold, (Hansbauer). Tore: 1:0 Winhold (5.), 1:1 Ulrich (55.), 1:2 Klausch (57.), 2:2 Kirchmaier (68.). Zuschauer: 50.