Die Kapitänin geht von Bord

Liisa Andersson steht in der Rückrunde dem Moabiter FSV nicht mehr zur Verfügung. Die fast 26-jährige Innenverteidigerin zieht es aus beruflichen Gründen schon bald nach Silvester nach Frankfurt. Der Landesligist verliert damit nicht nur seine Spielführerin und den viel zitierten „Fels in der Brandung“ im Defensivverbund, sondern auch eine sehr sympathische und beliebte Spielerin.

Vor etwa eineinhalb Jahren schnürte Andersson zum ersten Mal ihre Kickschuhe für den Moabiter FSV. Schnell stellte sie ihren großen Wert für das Team unter Beweis. Kopfball- und zweikampfstark sowie mit einem blendenden Stellungsspiel gesegnet, eroberte sie sich flugs einen der beiden Stammplätze in der Innenverteidigung und war dort fortan kaum noch wegzudenken. In der vergangenen Saison rasselte das Abstiegsgespenst kräftig mit seinen Ketten, doch auch dank Anderssons Defensivkünsten verebbte das unangenehme Geräusch pünktlich mit dem letzten Spiel. Auch in dieser Saison steht der FSV im Tabellenkeller und dementsprechend häufig unter Druck. Für die große Blondine mit den finnischen Wurzeln war das aber nie ein Hindernis, trotzdem jedes Spiel bis in die Haarspitzen motiviert zu bestreiten.

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Wegen ihrer gesunden Einstellung zum Mannschaftssport, zum Fußball, aber auch zum Leben an sich, avancierte Andersson mehr und mehr zur Führungsspielerin des FSV. Zu Beginn der laufenden Spielzeit wurde sie vom Team folgerichtig einstimmig zur Kapitänin gewählt. Immer mit gutem Beispiel voran auf dem Platz, immer ein offenes Ohr für die Anliegen außen herum – das war ihre Devise.

Während der Weihnachtsfeier vor zwei Wochen wurde Liisa Andersson dann gebührend verabschiedet. Sie reist jetzt mit gerahmten Mannschaftsfoto plus Unterschriftensammlung und einem Trikot mit „ihrer“ Nummer 18 nach Frankfurt. Wie ihre Mannschaftskameradinnen bedauert natürlich auch Coach Matthias Vogel den Abgang Anderssons sehr: „Eine herrlich unaufgeregte Person. Sie hinterlässt sportlich wie menschlich eine große Lücke.“

Immerhin: Weil ihr Freund weiterhin in Berlin leben wird, ist es wohl kein Abschied für immer. „Ich komme euch schon besuchen“, gelobte Andersson bei der Weihnachtsfeier dann auch brav. Die Hoffnung des Coaches, sie könnte ihren Pass doch auch locker beim Moabiter FSV lassen und bei ihren Stippvisiten mitkicken, dürfte sich hingegen schnell zerschlagen. Dafür ist Andersson zu verrückt nach ihrem Sport: „Ich denke, ich werde mir dort einen Verein suchen. Dauerhaft ohne Fußball, da würde ich bekloppt werden.“ Wenn das nicht mal geradezu nach einem Trainingslager für den FSV in Frankfurt schreit.