Bock auf Fußball, Herz und ein Quäntchen Glück

Auch für schwere Aufgaben gibt es Lösungen. Die stark ersatzgeschwächte Elf des Moabiter FSV kämpfte am Sonntag in der Partie gegen den SV Seitenwechsel bis zum Umfallen und holte den dritten Sieg in Serie. Den 1:0-Siegtreffer erzielte Clara Bader eine Viertelstunde vor Schluss.

 

Moabit – Der Triumph gegen den Tabellendritten der Frauen-Landesliga war ein bisschen glücklich, das Tor fiel aus abseitsverdächtiger Position. Unverdient war der Dreier für die Gastgeberinnen allerdings auch nicht, vor allem in der ersten Halbzeit hatte der FSV beste Chancen, in Führung zu gehen.

So richtig wohl war vor der Partie gegen den spielstarken SV Seitenwechsel niemandem im Lager des Moabiter FSV. Gleich ein halbes Dutzend Spielerinnen aus dem etatmäßigen Kader meldeten sich vor der Begegnung verletzt, krank oder zum Urlaub ab. Umso größer war zu Beginn der Partie das Erstaunen am Rande des Rasenrechtecks, als die Notelf des FSV dem Favoriten nicht nur trotzte, sondern sich auf Augenhöhe bewegte und sich sogar die besseren Torchancen herausspielte. Zweimal tauchte Sarah Wienhold im ersten Spielabschnitt alleine vor SV-Torhüterin Nicole Koch auf, die beide Male glänzend parierte. Auch Clara Bader probierte es im direkten Duell, auch sie scheiterte an der routinierten und blendend aufgelegten Schlussfrau der Gäste. Immer wieder schickten Regina Kirchmaier und Lio Virchow mit cleveren Pässen das Moabiter Offensiv-Duo auf die Reise, damit kamen die Gäste zunächst nicht gut klar.

Nach der Pause erhöhte Seitenwechsel kontinuierlich den Druck. Moabit musste mehr und mehr dem hohen läuferischen Aufwand Tribut zollen und kam nun immer häufiger zu spät in die Zweikämpfe. Die Folge waren einige brenzlige Situationen im Strafraum des FSV, die entweder durch die an diesem Tag ebenfalls starke Torhüterin Chucky Röhrich oder eine in letzter Sekunde heranstürmende Verteidigerin entschärft wurden. Genau in diese Phase fiel das Tor des Tages. Henriette Nagel, dem Moabiter 7er-Team entlehnt, passte am Ende eines Konters quer auf Bader, die die Kugel – dieses Mal unhaltbar für Koch – in die lange Ecke des SV-Kastens schob. Die Gäste monierten Abseits, der Schiedsrichter gab das Tor, eine knappe Entscheidung.

Danach wurden die Angriffe des Tabellendritten noch wütender und intensiver, doch mit Glück und Geschick rettete Moabit die knappe Führung über die Zeit. Am Ende fielen sich abgekämpfte FSV’lerinnen in die Arme. Spielführerin und Spielgestalterin Franziska Groß, die ob der Personalnot in die Innenverteidigung beordert worden war, fasste die 90 Minuten so zusammen: „Heute hat einfach alles gepasst. Es war ein tolles Spiel von allen und damit haben wir uns auch das nötige Quäntchen Glück erarbeitet. Eine sehr emotionale Begegnung, von draußen hätte ich das nicht ausgehalten.“

Besonders erfreulich für das Team aus Mitte war, dass die Spielerinnen aus der zweiten Reihe ein großartiger Ersatz für die fehlenden Stammkräfte waren. Mikey Byk machte auf der „6“ in der ersten Hälfte eine genauso gute Figur wie Henriette Nagel auf der „10“ nach dem Pausentee. „Richtig stark war aber Nanett Ottinger, sie ist in diesem Spiel über sich hinausgewachsen“, sagte FSV-Coach Matthias Vogel, der trotz des Sensationssieges und dem dritten Dreier in Folge etwas zerknirscht wirkte. „Ich Schlaumeier habe irgendwann den Beitrag des Trainers für einen Sieg von 3 auf 10 Euro angehoben und jetzt wird mir das langsam echt zu teuer hier.“

Moabiter FSV: Röööööhrich, Katzmaier, Haacke, Groß, Kovtun, Bader, Byk (46. Nagel), Virchow, Öttinger, Virchow, Wienhold. Auf der Bank, vielen Dank: Miezmiez Aylin.