Eine halbe Stunde geht der Moabiter Plan auf, danach brechen die Dämme im Waldstadion.

Regen in Ludwigsfelde – Moabit paddelt sich frei
Nässe war angesagt und sie kam auch – auf natürlich gut gewässertem Geläuf, das dennoch tadellos bespielbar war, ging Moabit in Halbzeit zwei baden. Mit einer 3:2-Führung im Gepäck gingen die Zuschauer in Ludwigsfelde sicherlich von einer weiter umkämpften Partie aus, doch genau diesen Kampf boten die Berlinerinnen leider in der Folge nicht mehr an wie noch in Durchgang eins.
“Wir haben nach der etwas überraschenden Führung zügig wieder den Faden gefunden und unser geplantes Aufbauspiel umgesetzt. Dass wir innerhalb von acht Minuten das Spiel auf 3:1 stellen, war aus meiner Sicht zu dem Zeitpunkt durchaus verdient. Gerade Jessi Graßmann hat einfach ihre Klasse gezeigt und zwei herrliche Treffer erzielt. Leider haben wir im Anschluss Jule Klandt und Kira Wöber zunächst auswechseln müssen, da beide angeschlagen waren. So entglitt uns das Spiel wieder.”, resümierte Trainer Martin Meyer den ersten Durchgang.

Graßmann sticht heraus und belohnt sich doppelt
Nachdem Klandt per Direktabnahme nach Kovtun-Freistoß ausglich, verwandelte Graßmann zweimal kurz hintereinander kunstvoll, Zunächst nach Vorlage von Michelle Heyder per Heber, anschließend aus 20m per abgefälschtem Fernschuss. Auch sonst war die Linksfüßerin quirlig und in bester Spiellaune. Moabit war eindeutig rechtslastig veranlagt, da auch Jana Heyde und Mareike Methner von hinten heraus dynamisch den Flügel bespielten. Letztere zeichnete sich in der Defensive mehrmals durch Stellungsspiel und Kopfballqualität aus – ein gutes Debüt bis dahin.

Kurz vor der Pause verkürzte Ludwigsfelde mit einer sehenswerten Kombination und Katharina Frey musste den Ball zum zweiten Mal aus dem Netz holen. Die Moabiter Schlussfrau war neben Graßmann und Klandt die beste Moabiterin und glänzte im Spielaufbau sowie gerade in Hälfte zwei im direkten Duell mit der Ludwigsfelder Angriffswelle.

Bruch im Spiel in Durchgang zwei – Moabit passiv
Der FSV wechselte anschließend weiter munter durch und so kamen Pia Mezzetti und Aylin Mizmizlioglu in die Partie. Bereits in Hälfte eins waren Tomoko Tanaka und Lisa Freßmann ins Spiel gekommen. Mit den Wechseln kam Moabit zunehmend aus dem Tritt und verlor die Ordnung im Spiel gegen den Ball und die Durchsetzungsstärke in der Offensive. Eins-gegen-eins-Situationen fanden kaum statt und wenn dann zu Gunsten der Gastgeberinnen. Ludwigsfelde glich zügig aus und zog im Laufe der Partie mit weiteren fünf Treffern bis auf 8:3 davon. Moabit ließ die Rückwärtsbewegung in der Folge regelmäßig aus, offenbarte Schwächen im Stellungsspiel und die in der ersten Halbzeit noch kaschierte Abstimmungsschwäche im Defensivverbund trat mangels geschlossener Abwehrleistung aus dem Mittelfeld plötzlich sehr deutlich zu Tage – Enttäuschung machte sich breit und die Köpfe hingen von Tor zu Tor tiefer.

Positives Zwischenfazit, aber viel Luft nach oben
Sorgenfalten beim Trainerteam? “Nein, wir haben ein Thema gezielt umsetzen wollen und haben das in der ersten Hälfte auch erreicht und diese letztlich 3:2 gewonnen. Der Spielaufbau soll bei uns variantenreicher werden und wir haben gezeigt, dass unser Team hier einen Schritt nach vorne gemacht hat. Bis zur Halbzeit bin ich zufrieden für den Auftakt. Unabhängig davon war die zweite Hälfte enttäuschend und hat einigen die Grenzen aufgezeigt gegen einen Gegner auf Augenhöhe. Verlieren wir hier mit zwei oder drei Toren, können wir aufgrund der vielen Wechsel gut damit leben. Das Endergebnis ist jedoch verantwortungslos gegenüber unserer Torhüterin.”, fand Meyer nach dem Spiel klare Worte und forderte noch im Teamkreis eine engagierte Vorbereitung seines Teams auf die nächsten Wochen.